Das Was, das Wie und das agentische Dass
KI schreibt jetzt den Code. So weit, so revolutionär langweilig. Aber das ist nur ein Teil der Softwareentwicklung. Jedes Softwareprojekt muss drei verschiedene Fragen beantworten:
- Was soll entstehen?
- Wie soll es konstruiert sein?
- Wie sorgen wir dafür, dass es tatsächlich gebaut wird?
Das WAS
Das WAS beginnt bei Menschen. Was wollen sie erreichen? Was steht ihnen dabei im Weg? Welches Problem gibt es tatsächlich, und welches gewünschte Feature schafft mehr Probleme, als es löst?
Hier geht es um Human Understanding und Product Thinking. Das WAS zu bestimmen heißt, hinter den geäußerten Wunsch zu schauen und zu entscheiden, was tatsächlich gebaut werden sollte.
Agents können dabei Optionen durchspielen. Das Verständnis für die realen Lebenssituationen, die Ideen und die Leitplanken müssen wir selber liefern.
Das WIE
Wenn das Produkt klar ist, braucht es noch eine Konstruktion, die trägt.
Wo liegen die Systemgrenzen? Welche Daten gehören wohin? Was passiert, wenn eine API ausfällt? Wie wird die Software getestet, deployt, überwacht, aktualisiert und später von Menschen verändert, die bei ihrer Entstehung nicht dabei waren?
Das ist das WIE.
Architektur bedeutet, Entscheidungen zu treffen, deren Folgen oft erst Monate oder Jahre später sichtbar werden.
Agents können Architekturen vorschlagen und sie mit erstaunlicher Geschwindigkeit umsetzen. Sie können aber ebenso schnell eine sauber durchgezogene Implementierung einer idiotischen Entscheidung produzieren.
Die langfristigen Folgen abzuwägen und die Entscheidungen zu treffen bleibt unsere Aufgabe.
Darum ist auch die verbreitete Idee, dass heute Product Manager vibe-coden sollten, zu einfach gedacht. Pair-Vibe-Coding von Product Manager und Senior Developer trifft es schon eher.
Das agentische DASS
Schließlich bleibt die Arbeit, das System tatsächlich entstehen zu lassen: den eigentlichen Code zu schreiben.
Das ist das agentische DASS. Coding Agents sind darin extrem gut geworden. Sie können klare Produkt- und Architekturentscheidungen schneller in funktionierenden Code verwandeln, als es ein Mensch allein durch Tippen je könnte. Ein gut durchdachter und formulierter Wunsch kann heute noch vor der Mittagspause zu funktionierender Software werden.
Gute Developer:innen
Damit verändert sich auch, was gute Developer ausmacht: die Fähigkeit, von einem menschlichen Problem zu einer guten Produktentscheidung zu kommen, eine tragfähige Architektur zu entwickeln und die Umsetzung anschließend in einem eng geführten agentischen Prozess zu steuern. Ein weiteres Framework auswendig zu kennen ist irrelevant geworden.
Developer zu sein macht heute drum mehr Spaß denn je, zumindest mir: Agents nutzen, um menschlichem Verständnis, menschlicher Kreativität und menschlicher Erfahrung die Siebenmeilenstiefel anzuziehen.